Dieser Versuch beschäftigt sich mit der Ausbreitung von Schall, der Analyse von Schall und der Psychoakustik. Sie werden dabei ein Schallpegelmeßgerät und ein Audiometer als spezifische Meßgeräte kennenlernen. Ferner wird ein PC mit ``Soundkarte'' zur Schallerfassung und Auswertung Verwendung finden.
Die Akustik behandelt die Entstehung, die Übertragung und den Empfang von Schall.
Als Schall bezeichnet man mechanische Schwingungs- und Wellenvorgänge in elastischen Medien (Gasen, Flüssigkeiten, Festkörpern). Die Erkenntnis, daß es sich bei Schall um ein Wellenphänomen handelt, ist bereits 2000 Jahre alt. Ein römischer Architekt, der mit dem Bau von Amphitheatern beschäftigt war, verglich den Schall mit Wellen im Wasser. Tabelle 1.1 zeigt eine grobe Frequenzeinteilung der verschiedenen Schallbereiche.
| Schallbereich | Frequenz |
| Infraschall | |
| hörbarer Schall | 16Hz |
| Ultraschall | 16kHz |
| Hyperschall | 10MHz |
Interessant für die Technik ist vor allem der Ultraschall. Die
meisten Anwendungen des Ultraschalls beruhen auf den hohen Beschleunigungen,
die im Schallfeld auch bei relativ geringer Leistung auftreten, da diese
proportional
sind. Einige Anwendungen sind :
Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Schallschutz am Arbeitsplatz. Sie werden deshalb in diesem Versuch auch etwas über dB Werte und Psychoakustik lernen.
Schall ist ein Wellenphänomen. Die Moleküle des übertragenden Mediums (z.B. Luft) schwingen dabei parallel zur Ausbreitungsrichtung des Schalls vor und zurück, wobei sie im Medium Bereiche höheren und niedrigeren Drucks erzeugen.
Wir betrachten Schall näherungsweise als ebene Welle, die sich
längs der positiven x-Richtung fortpflanzt. Dabei gehorcht
die Auslenkung
der Teilchen aus der Ruhelage der Wellengleichung
ist die Schwingungsamplitude. Die Schallgeschwindigkeit ist die
Ausbreitungsgeschwindigkeit der fortschreitenden Welle im Medium und ist
durch die Beziehung
gegeben. Dabei ist
die Wellenlänge,
die Frequenz der Schallwelle. Die Schallausbreitung erfolgt sehr
schnell, da das übertragende Medium nicht mittransportiert werden
muß. cs hängt im wesentlichen von den Stoffeigenschaften
des Ausbreitungsmediums ab. Da die Dichte eines Gases von der Temperatur
abhängt, ändert sich die Schallgeschwindigkeit mit der Temperatur.
Ein Experiment zur Bestimmung der Schallgeschwindigkeit wird in Versuch 1.2 vorgestellt. Um ein Gefühl für typische Schallgeschwindigkeiten in den verschiedenen Medien zu bekommen, sind einige Werte in Tabelle 1.2 zusammengestellt.
| Festkörper | Flüssigkeiten | Gase | |||
| Aluminium | 6420 | Wasser | 1464 | Luft | 331,6 |
| Blei | 1960 | Alkohol | 1170 | Sauerstoff | 316 |
| Eisen | 5950 | Wasserstoff | 1284 | ||
| Helium | 965 | ||||
| Kohlendioxid | 259 |
Nicht zu verwechseln mit der Schallgeschwindigkeit ist die Schallschnelle
u, die angibt, mit welcher Geschwindigkeit sich die einzelnen Teilchen
des Mediums bewegen.
Analog zur obigen Formel für die Auslenkung der Teilchen erhält
man für den Druck im Schallfeld die Gleichung
mit dem Ruhedruck p0 (Atmosphärendruck) und der
durch die Schallwelle verursachten Druckamplitude
Eine Schallquelle strahlt eine bestimmte Leistung (=Energie pro Zeit) ab. Um berechnen zu können, welcher Anteil dieser Leistung bei einem Mikrophon (oder Ohr) ankommt, benötigen wir die Leistung pro Fläche, die sog. Schallintensität I.
Die Energiedichte e einer Welle ist aus der Mechanik bekannt
(
);
damit erhält man für die Intensität der Schallwelle die
Beziehung
Die Schallintensität hängt also quadratisch vom Schalldruck ab.
Um die Abhängigkeit der Schallintensität vom Abstand von der
Schallquelle zu bestimmen, betrachtet man eine isotrope (in alle Richtungen
gleiche) Abstrahlung einer punktförmigen Schallquelle in den Raum.
Da die Intensität von der durchstrahlten Fläche abhängt
und diese wie r2 (Kugelfläche) wächst, kann
man leicht einsehen, daß die Schallintensität mit dem Quadrat
des Abstandes zur Schallquelle abnimmt:
Diese Abstandsabhängigkeit soll im Versuch 1.1 überprüft werden.
In der Akustik sind Drücke über viele Größenordnungen
relevant. Deshalb benutzt man in der Praxis den sog. Schalldruckpegel
oder kurz Schallpegel L, der eine Umrechnung des Schalldrucks bzw.
der Schallintensität in ein logarithmisches Maß darstellt:
mit
Pa
bzw. I0 = 10-12W/m2
(Hörschwelle bei 1kHz). Dieses logarithmische Maß hilft, Schall
mit stark unterschiedlichen Intensitäten gleichzeitig auf einer Skala
darstellen zu können. Es ist das Verhältnis zweier Schallfeldgröß
en. Die Größ e im Nenner ist eine festgelegte Bezugsgröß
e. Natürlich bezieht sich L immer auf eine Frequenz bzw. einen
Frequenzbereich.
Da der Schallpegel L eine logarithmische Größe ist, dürfen beispielsweise zur Berechnung des Gesamtschallpegels bei der Überlagerung von zwei Schallquellen nicht einfach die Pegel L1 und L2 addiert werden. Vielmehr ist hier mit den physikalischen Größen p bzw. I zu rechnen.
Sind bei den zu berechnenden Schallfeldern die exakten Wellengleichungen bekannt, so ist die zu betrachtende Größe der Schalldruck p. Es können Interferenzen auftreten, die speziell beachtet werden müssen.
Im täglichen Leben (und in diesem Praktikum) werden Sie nur inkohärente
Schallwellen (d.h. solche ohne exakt bestimmte Phasenlage) antreffen. In
diesem Fall ist die Intensität
die Größe, mit der gerechnet werden muß.
Um beispielsweise den gemeinsamen Pegel zweier gleicher Schallquellen
L1=L2 bzw. I1=I2
zu berechnen, addiert man die Intensitäten:
.
Damit folgt:
Eine Verdopplung der Intensität I entspricht also einer Zunahme
des Schallpegels L um etwa 3dB; eine Erhöhung um 10dB oder
20dB bedeutet eine Verzehn- bzw. Verhundertfachung der Intensität.
Abbildung 1.2 zeigt den Aufbau des menschlichen Ohres. Die Ohrmuschel sammelt die Luftschallwellen und leitet sie über den äuß eren Gehörgang an das Trommelfell weiter. Diese Teile bilden das Auß enohr. Im Mittelohrbereich befinden sich in der Paukenhöhle Hammer, Amboß und Steigbügel, die durch das Trommelfell in mechanische Schwingungen versetzt werden. Sie verstärken die Schallwellen (Auslenkungen im nm-Bereich!). Auch die Resonanzwirkung des Gehörganges und das ovale Fenster beim Übergang zum Innenohr wirken verstärkend. Die Eustachische Röhre ist die Verbindung vom Mittelohr zum Nasen-Rachen Raum (Druckausgleich). Im Innenohr befindet sich das Hörorgan, die Schnecke, Diese ist mit Flüssigkeit gefüllt und setzt die empfangenen Hörimpulse in elektrische Nervenimpulse um, die dann zum Gehirn weitergeleitet werden. Das eigentliche Transformationsorgan ist das Cortische Organ dessen Haarzellen die Fourieranalyse durchführen. Im Innenohr befindet sich auch der Vestibularapparat, der dem Gleichgewichtssinn zugeordnet ist.
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Die beim Hörschall auftretenden Druckschwankungen sind meist sehr gering. Bei einem Normaldruck von 1013mbar genügen schon Änderungen im Nanobar-Bereich, um eine Reizung des menschlichen Ohres herbeizuführen.
Das menschliche Ohr kann Drücke zwischen 10-5Pa (untere
Hörgrenze) und 102Pa (Schmerzgrenze) wahrnehmen. Kein Meßgerät
kann ohne Umschaltvorrichtung einen derartig großen Bereich (7 Größenordnungen!)
darstellen. Für I0
= 10-12W/m2 findet man auch die Bezeichnung Hörschwelle.
Sie ist die vom menschlichen Ohr gerade noch wahrnehmbare Schallintensität
bei 1kHz. Der zugehörige Druck ist 20
Pa.
Das entspricht einer Bewegung der Luftteilchen von nur 10-9cm
(zum Vergleich: Der Durchmesser des Wasserstoffatoms beträgt 10-8cm.).
Die dB-Skala gibt jedoch nicht die genaue Hörempfindung wieder,
da das menschliche Hörvermögen frequenzabhängig ist. Bei
niedrigen und hohen Frequenzen ist die Empfindlichkeit des Ohres geringer,
während sie bei etwa 1kHz maximal ist. Der Schallpegel muß also
bei tiefen und hohen Frequenzen sehr viel höher sein als am Empfindlichkeitsmaximum,
wenn in allen Fällen eine gleich starke Empfindung hervorgerufen werden
soll. Der Maßstab für das Lautstärkempfinden des Gehörs
ist die Lautstärke Ls (Einheit phon).
Sie ist so gewählt, daß bei einer Schallfrequenz
kHz
der Wert der Lautstärke (in phon) gleich dem Schalldruckpegel (in
dB) ist.
Die Ermittlung der Lautstärke ist somit immer eine Vergleichsmessung.
Führt man solche Vergleichsmessungen im gesamten Hörbereich durch,
so erhält man Kurven gleicher Lautstärke. Dabei gibt jede Kurve
an, welcher Schallpegel L in Abhängigkeit von der Frequenz
nötig ist, damit das Ohr eine bestimmte Lautstärke Ls
empfindet. In diesem Diagramm ist zu sehen, daß bei 1kHz ein Pegel
von 70dB ausreicht, um die gleiche Lautstärke (70 phon) hervorzurufen,
wie sie ein Pegel von 80dB bei 63Hz erzeugt. Das menschliche Gehör
nimmt Lautstärkeunterschiede von
phon
gerade noch wahr. Die Hörschwelle liegt (für alle Frequenzen)
bei etwa 0 phon.
Das subjektive Lautstärkeempfinden ist dabei keineswegs linear von der Schallintensität abhängig. Im Bereich ab 40phon entspricht eine Verdoppelung der gehörten Lautstärke einer Zunahme von Ls um etwa 10phon - also einer um den Faktor 10 höheren Intensität. Unterhalb 40phon ist das Ohr empfindlicher.
| leises Flüstern | 10Phon |
| deutliche Sprache | 50Phon |
| Düsenflugzeug | |
| (100m Entfernung) | |
| Diskothek | 100-130Phon |
| Preß lufthammer | 130Phon |
| (1m Entfernung) |
Weil das Ohr unterschiedlich empfindlich auf verschiedene Frequenzen reagiert, wäre die ideale Angabe der Lautstärke eines Geräusches der Wert in phon. Da dessen Bestimmung jedoch relativ kompliziert ist, wird allgemein die Lautstärke in der sog. A-Bewertung angegeben. Dazu wird zu dem gemessenen Schallpegel (dem sog. unbewerteten Schallpegel) eine bestimmte Konstante addiert bzw. davon subtrahiert. Die Angabe des Schallpegels erfolgt dann in der Einheit dB(A). Ein 1kHz-Ton mit 70dB entspricht demnach auch 70dB(A), ein 100Hz-Ton der gleichen Intensität jedoch nur etwa 53dB(A) - weil er entsprechend leiser gehört wird. Aufgrund dieser recht einfachen Umrechnung gelten für die A-bewerteten Meßwerte die gleichen Rechenregeln wie für die unbewerteten Größen. Neben der A- wurden auch noch B-, C- und D-Bewertungskurven international standardisiert; allerdings entspricht die A-Bewertung bei Lautstärken unter 90phon (also in dem Bereich, mit dem man meistens zu tun hat) dem Lautstärkeempfinden des Menschen am besten. Sie ist deshalb die bei Schallpegelmessungen am häufigsten gebrauchte Bewertungskurve; auch in diesem Praktikum werden Sie nur un- und A-bewertet messen.
In der Natur treten selten rein harmonische (sinusförmige) Schwingungen auf. Musikinstrumente erzeugen zwar in erster Linie einen Sinuston (den Grundton), zusätzlich aber auch Sinusschwingungen, deren Frequenzen ganzzahlige Vielfache der Grundtonfrequenz sind. Diese nennt man die Obertöne; ihre Zusammensetzung hängt von der Bauform des Klangkörpers ab und ist charakteristisch für jedes einzelne Instrument.
Geräusche und gesprochene Sprache sind Überlagerungen einer großen Anzahl von Frequenzen, deren Zusammensetzung sich im zeitlichen Verlauf ständig ändert. Die vom Ohr wahrgenommenen Schallwellen klassifiziert man nach ihrem Frequenzspektrum und dem zeitlichen Verlauf ihrer Amplitude (siehe Tabelle 1.4).
| Ton | sinusförmige Schwingung mit konstanter Amplitude. Die Tonhöhe wird durch die Frequenz, die Tonstärke durch das Quadrat der Schwingungsamplitude bestimmt. (vgl. Abb. 1.5, oben links) |
| Klang | periodische, nicht rein sinusförmige Schwingung, die durch die Überlagerung des Grundtons mit verschiedenen Obertönen zustande kommt. |
| Geräusch | vollkommen unperiodischer Schwingungsvorgang. (vgl. Abb. 1.5, mitte rechts) |
| Knall | kurzer Schallimpuls, der Schwingungen eines weiten Frequenzbereiches enthält. Die Amplitude fällt rasch ab. |
Mathematisch läßt sich beweisen, daß man jedes beliebige, auch nicht periodische Signal aus (unendlich vielen) harmonischen Schwingungen zusammensetzen kann. Dies nennt man die Fourier-Synthese.
Die Fourier-Analyse ist die Umkehrung der FOURIER-Synthese: Mit ihr kann man aus der per Mikrofon aufgezeichneten Schwingung die enthaltenen Frequenzanteile errechnen.
Ist das Signal selbst periodisch, so enthält es neben der Grundschwingung, die dieselbe Frequenz wie das Signal besitzt, nur Oberschwingungen, deren Frequenzen ganzahlige Vielfache der Grundfrequenz sind. In diesem Fall spricht man von einer Fourier-Reihe.
Im Versuch 2 werden Sie die FOURIER-Spektren von verschiedenen Geräuschen und Klängen und ihre Veränderung mit der Zeit untersuchen. Verwendet wird die sog. Fast-Fourier-Transformation (FFT), die auf einem Computer in sehr kurzer Rechenzeit brauchbare Ergebnisse liefert.
Ein optisches Analogon der FOURIER-Analyse ist das Prisma, mit dem sich das weiße Sonnenlicht in seine Spektralanteile zerlegen läßt.
Die einfachste Form von Überlagerungen ist die Schwebung. In Versuch 2.2
werden Sie mit Stimmgabeln zwei harmonische Wellen erzeugen und ihre Überlagerung
untersuchen. Die Summe der beiden Wellen läßt sich dann schreiben
als:
Im letzten Ausdruck der rechten Seite stellt der erste Kosinus die Schwingung
dar, der zweite die Modulation mit der Schwebungsfrequenz.
Im Rahmen des Versuchs werden Sie zwei Geräte zur Detektion von Schall benutzen.
Das Mikrophon gehört zu den elektroakustischen Wandlern, d.h. es wandelt den Schalldruck in elektrische Spannung um. Im Versuch wird als Meßmikrophon ein Kondensatormikrophon verwendet. Eine hauchdünne metallische Membran bildet mit dem Mikrofongehäuse einen Kondensator, dessen Kapazität sich je nach Auslenkung der Membran ändert. Die Spannung am Kondensator wird konstant gehalten, so daß je nach Membranbewegung ein Be- bzw. Entladestrom fließt, der mittels eines Widerstandes in eine meßbare Spannung umgewandelt wird. Diese ist dann in erster Näherung proportional zur Geschwindigkeit der Membran und somit zur Geschwindigkeit der Luftteilchen.
Zur quantitativen Messung von Schallpegeln verwendet man das Schallpegelmeßgerät. Es besteht im wesentlichen aus einem Mikrophon und einem Effektivwertdetektor, der die Signale des Mikrophons in Schallpegel umrechnet. Für bewertete Messungen kann ein Bewertungsfilter vor den Detektor geschaltet werden. Eine schematische Darstellung der Komponenten eines Schallpegelmeßgerätes zeigt Abbildung 1.7.
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Schall hat die Eigenschaft, sich an Wänden, Decken und am Körper des Meßgerät-Benutzers zu reflektieren. Dadurch können Meßfehler auftreten. Folgende Regeln sind zu beachten:
Schallpegel-Meßgeräte sind zur Messung im Freifeld konzipiert. Von einem Freifeld spricht man, wenn sich keine störenden Gegenstände im Schallfeld befinden und somit eine freie Schallausbreitung gewährleistet ist. In der Praxis spricht man auch dann von einem Freifeld, wenn die Reflexionen so schwach sind, daß sie gegenüber dem direkten Feld der Schallquelle nicht mehr ins Gewicht fallen.
In einem geschlossenen Raum kann es zu Reflexionen an den Wänden, der Decke und den Einrichtungsgegenständen kommen. Das dadurch entstehende Feld nennt man Nachhallfeld.
Beispiel:
In den Räumen des Praktikums werden Sie ein Mittel zwischen diesen beiden Extremen vorfinden. In geringem Abstand zur Schallquelle werden Sie ein gutes Freifeld messen können. Da die Intensität des direkten Schalls mit der Entfernung von der Schallquelle abnimmt, während das Nachhallfeld im gesamten Raum etwa konstant ist, wird letzteres ab einem gewissen Abstand von der Schallquelle überwiegen. Diesen Abstand nennt man Hallradius. Außerhalb des Hallradius hängt dann der gemessene Schallpegel nicht mehr vom Abstand zur Schallquelle ab.
Bevor Sie mit den Experimenten beginnen, wird der Betreuer Ihnen einige Fragen zum Inhalt des Praktikums stellen, Ihnen einiges erklären, und mit Ihnen eine einführende Messung durchführen.
Das KUNDTsche Rohr dient zum Nachweis stehender Wellen in Luft und anderen Gasen. Es eignet sich auch dazu, Wellenlängen zu bestimmen.
Das Rohr wird mit wenig Korkpulver befüllt, und an einem Ende mit einem Schieber verschlossen. In das andere Ende bläst man mit einer Pfeife hinein, um eine stehende Welle zu erzeugen. Mit dem Schieber wird während des Versuches die schwingende Länge des Rohres auf ein Vielfaches der halben Wellenlänge eingestellt. (Warum?)
Wegen der Reflexion der Schallwelle am Schieber bildet sich dabei im Rohr eine stehende Welle aus. An ihren Bäuchen bewegt sich die Luft besonders stark, an den Knoten dagegen kaum. Deshalb sammeln sich die Korkteilchen an den Knoten der Welle.
Neben diesem Effekt werden Sie noch kleinere Wellen sehen. Diese kann man auf Wirbelbildungen im Rohr zurückführen.
Vermessen Sie nun die Wellenlänge im Rohr und bestimmen Sie mit Hilfe des Computers und des Programms Analyse die Frequenz der Pfeife. Dabei wird Ihnen der Betreuer die Bedienung des Systems demonstrieren.
Schätzen Sie aus diesen Daten die Schallgeschwindigkeit in Luft ab.
An einem Modell des menschlichen Ohres wird Ihnen Ihr Betreuer den Hörvorgang erklären. Siehe hierzu auch Abschnitt 1.1.2.
Hier sind die Experimente beschrieben, die Sie während des Praktikums durchführen sollen.
Tragen Sie alle Meßergebnisse und Rechnungen in Ihr Protokollbuch ein und beantworten Sie auch die gestellten Fragen dort.
In diesem Teil sollen Sie sich mit den grundlegenden Eigenschaften der Ausbreitung des Schallfeldes einer punktförmigen Quelle beschäftigen.
In diesem ersten Versuch sollen Sie bestimmen, wie die Intensität des Schallfeldes einer punktförmigen Schallquelle vom Abstand von dieser Quelle abhängt.
Montieren Sie das Mikrophon so auf einen Reiter der Dreikantschiene, daß es genau so hoch wie der Lautsprecher steht (Ziehen Sie dazu die Gewindestange mehr oder weniger weit aus dem Schaft.)
Beginnen Sie bei
und fahren Sie in 1cm-Schritten fort. Ab 10cm genügt es, wenn Sie
in 2cm-Schritten weitermachen. Messen Sie solange, bis Sie an drei verschiedenen
Stellen in etwa den gleichen Pegel ermitteln.
Verschieben Sie dazu den Reiter auf der Dreikantschiene und lesen Sie auf der Skala die Entfernung ab. Der Abstand zwischen Lautsprechermembran und -gitter ist auf dem Kassettenrekorder angegeben.
Zum Schallpegelmeßgerät:
Verwenden sie die Einstellungen langsam und linear. Fangen Sie im höchsten Meßbereich 90 an, und verringern Sie ihn solange (erst 60, dann 30), bis Sie einen deutlichen Zeigerausschlag sehen können. Der Meßwert ergibt sich als Summe der Meßbereichsbasis (30dB, 60dB oder 90dB) und des an der Skala abgelesenen Wertes.
Verwenden Sie den Spiegel oberhalb der Skala um den Wert parallaxenfrei abzulesen. Schauen Sie dazu so auf das Meßgerät, daß der Zeiger sein Spiegelbild verdeckt.
Die Schallgeschwindigkeit soll aus der Laufzeit eines Schallsignals in Luft bestimmt werden.
Nach dem Einschalten des Rechners loggen Sie sich als Benutzer Akustik ohne Paßwort ein. Es erscheint dann automatisch das Hauptmenü, in dem Sie zwischen den Programmen Analyse und Schallgeschwindigkeit wählen oder das Programm beenden können.
Drücken Sie den Button Schallgeschwindigkeit, um dieses Modul zu starten.
Achten Sie dabei insbesondere darauf, daß die Klickstelle und die beiden Mikrophone auf einer Geraden liegen, denn nur dann ist die Strecke zwischen den Mikrophonen gleich dem Weg des Schallsignals.
Suchen Sie in den beiden Signalen zwei sich entsprechende Stellen (z.B. jeweils das erste Maximum) und markieren sie diese mit den beiden Markern. Lesen Sie die Zeitdifferenz ab.
Die Zeiten (die x-Achse ist die Zeitachse) werden in Sekunden angegeben. Dahinter steht eventuell eine Einheit, z.B. m für Milli- und u für Micro. 123.4m bedeutet also 123,4 Millisekunden oder 0,1234 Sekunden.
Mit dem Button Skalierung können Sie die Darstellung der Kurve auf dem Monitor optimieren. Die Skalen werden dann automatisch so eingeteilt, daß die Kurven die ganzen Fenster einnehmen.
Hinweis: Das Programm erkennt den Klick anhand eines Triggers. Sollten Sie Probleme haben, weil der Trigger nicht auslöst, ändern Sie den Wert im Feld Trigger. Fragen Sie dazu Ihren Betreuer.
Im zweiten Teil des Praktikums sollen Sie die Wellennatur von Schall und typische Wellenphänomene wie die Überlagerung zweier Wellenfelder kennenlernen.
Machen Sie sich mit dem Programm Analyse und der FOURIER-Analyse vertraut. Lassen Sie sich dazu von Ihrem Betreuer drei Stimmgabeln geben, von denen sich zwei untereinander um ca 50Hz und von der dritten um etwa 90Hz bis 120Hz. unterscheiden sollen.
Richten Sie das große Mikrophon auf den Resonanzkörper und schalten Sie es ein.
Im Fenster Signal wird das Schallsignal und im Fenster Spektrum das berechnete FOURIER-Spektrum angezeigt. Wenn Sie ein schönes Signal (Sinus-Signal mit einem Peak im Spektrum) sehen, können Sie durch erneutes Drücken des Aufnahme-Buttons die Aufnahme anhalten.
Diese können Sie bei guter Kenntnis der FOURIER-Analysis vielleicht selbst erklären. Fragen Sie anderenfalls Ihren Betreuer.
Nun sollen Sie zwei reine Sinustöne zu einer Schwebung überlagern.
Mit den Stimmgabeln aus dem vorigen Versuch sollen Sie nun Schwebungen erzeugen und charakterisieren.
Bewegen Sie die Stimmgabeln so lange zum Mikrophon hin oder von ihm weg, bis beide Peaks im Fenster Spektrum in etwa gleich hoch sind und stoppen Sie dann die Aufnahme, wenn Sie die Schwebung gut sehen.
Tiefe Töne sind über große Entfernungen weiter hörbar als hohe. Deswegen möchte man Schiffsbrüchigen eine Pfeife mitgeben, die möglichst tiefe Töne erzeugt. Wollte man einen tiefen Ton direkt erzeugen, würde die Pfeife (Orgelpfeife) sehr unhandlich.
Das Mehrfrequenzwahlverfahren (MFV) ist eine Anwendung der Schwebung in der Signaltechnik. Die Anrufbeantworterfernabfrage ist nichts anderes als das Wählmodul eines modernen Telephons, das die Signale nicht direkt auf die Leitung gibt, sondern per Lautsprecher hörbar macht, damit diese von einem anderen Telephon aus in die Leitung eingespeist werden können.
Mit Tönen hatten Sie ja schon reichlich zu tun. Was genau ist ein
Ton?
Pfeifen Sie in das Mikrophon und betrachten Sie das Spektrum Ihres Pfeifens.
Würden Sie das Pfeifen als Ton bezeichnen?
Nehmen Sie Signal und Spektrum folgender Klänge, die Sie auf der
Praktikumskasette finden, auf.
Stoppen Sie dazu die Aufnahme dann, wenn ein stabiles Spektrum zu erkennen
ist. Versuchen Sie bei den Instrumenten, einen reinen Ton zu erwischen.
Passen Sie den angezeigten Bereich des Spektrums so an, daß Sie alle
Frequenzanteile des Signals sehen können. Charakterisieren Sie die
Spektren kurz und drucken Sie sie aus.
Rauschen ist nicht gleich Rauschen. Man kann verschiedene Arten von Rauschen nach ihrer spektralen Zusammensetzung unterscheiden.
Nach der Definition ist auch die menschliche Stimme ein Geräusch. Sprechen Sie in das Mikrophon und bestimmen Sie die Tonlage Ihrer Stimme.
Im letzten Teil des Praktikums sollen Sie die Rezeption des Schalls durch den Menschen und die Problematik einer zu hohen Lärmbelastung kennenlernen.
In der Audiometrie wird Ihr Gehör getestet. Sie bekommen einen Ton mit einer festen Frequenz vorgespielt, der so lange lauter wird, bis Sie ihn wahrnehmen.
Testen Sie mit dem Audiometer ein Ohr. (Siehe Audiometeranleitung).
Zeichnen Sie dabei ein Frequenz-Lautstärke Diagramm Ihrer Hörschwelle.
In jeder Gruppe übernimmt ein Praktikant die Rolle des Arztes und
der andere die des Patienten.
Untersuchen Sie nun die Wirksamkeit von Ohrenstöpseln, die z.B.
in der Produktion als Gehörschutz dienen.
Die Wirksamkeit von Gehörschutzeinrichtungen wird durch die Dämpfung
charakterisiert, unter der man die Abschwächung des Schallsignals
versteht, die die jeweilige Gehörschutzeinrichtung bewirkt. So bedeutet
eine Dämpfung um z.B. 25dB, daß ein Schallsignal von ursprünglich
50dB bzw. 125dB nach der Dämpfung nur noch einen Schallpegel von 25dB
bzw. 100dB hat.
Warten sie nach dem Einfügen des Gehörschutzes in den Gehörgang ca. fünf Minuten, bis er sich an Ihren Gehörgang angepaßt hat und diesen wirklich dicht verschließt.
Um die Dämpfung durch den Gehörschutz zu kompensieren muß die Schallquelle einige dB lauter sein. Ihre (gemessene) Hörschwelle liegt daher um diesen Betrag höher als bei der Messung ohne Ohrstöpsel.
Dieser Versuch ist freiwillig.
Wenn Sie wollen, können Sie das Frequenz-Lautstärke-Diagramm
aufnehmen, nachdem Sie Ihr Gehör vorübergehend geschädigt
haben, und die Art der Schädigung beschreiben. Fragen Sie dazu Ihren
Betreuer.
Messen Sie verschiedene Geräuschkulissen außerhalb des Praktikumsraumes, z.B. in einem Hörsaal, in einer Maschinenhalle, in der Cafeteria, auf der Straße oder in einem anderen Raum mit dem Schallpegelmeßgerät in A- und unbewerteter Messung.
Beantworten Sie in Ihrem Versuchsprotokoll folgende Fragen:
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